Mental Health: Wenn Influencer zur Selbstdiagnose verleiten – Shortcut | DER SPIEGEL

Mental Health ist in sozialen Medien ein großes Thema. Manche Influencer verleiten Ratsuchende jedoch zur Selbstdiagnose, ohne Fachkompetenz zu besitzen. Gerade junge Menschen machen sich Sorgen um ihre psychische Gesundheit und können so auf vermeintliche Tipps stoßen. SPIEGEL-Redakteur Tobias Becker berichtet über einen Trend mit Tücken.

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► Host: Maximilian Sepp
► Redaktion: Kolja Fach
► Redaktionelle Leitung: Dirk Schulze, Marius Mestermann
► Produktion: Christian Weber
► Postproduktion: Kolja Fach, Ilyass Alaoui, Christian Weber
► Social Media: Sarah Eckardt
► Musik: Above Zero

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Links zur Folge:

Tobias Beckers Essay über »Toxisches Halbwissen« https://www.spiegel.de/kultur/mental-health-die-macke-als-marke-a-44e892e3-0606-45f3-b1c2-428f8e05f2ab

SPIEGEL-Gespräch über Nebenwirkungen von Psychotherapie
https://www.spiegel.de/psychologie/psychotherapie-und-ihre-nebenwirkungen-die-daemonisierung-von-eltern-ist-ein-massensport-a-f47c44f2-3935-4c27-b83e-3a37f1b8fdb1

SPIEGEL-Gespräch über den Umgang mit Krisen:
https://www.spiegel.de/kultur/klimawandel-und-krisen-der-glaube-an-eine-bessere-welt-erlischt-was-die-politik-dagegen-tun-kann-a-29cc6723-fd43-4ee3-b0e1-9a2ae5ab32e1

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37 Comments

  1. Am meisten leiden Menschen darunter die wirklich schwerwiegende psychische Probleme haben. Diese werden wegen den selbstdiagnostizierten Spaßvögeln nicht mehr ernst genommen.

  2. Ohne youtube wäre ich mir nicht bewusst geworden, wie hochgrad narzisstisch meine Mutter ist und ohne youtube wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass ich ADHS habe. Ich befinde mich zur Zeit in Therapie. Die Diagnostik läuft und vieles deutet auf (starke) ADHS Symptomatik. Es mag Leute geben, die alles "haben" was sie sehen. Mit gesunder Selbstreflektion kann man das aber gut unterscheiden. Das ersetzt natürlich keine professionelle Diagnose, kann aber trotzdem sehr gut helfen. Dank youtube Aufklärung hat mein Leben in vielerlei Hinsicht eine 180 Grad Wende hingelegt. Es steht und fällt mit dem eigenen Denkvermögen die Informationen einzuschätzen und daraus richtige Schritte folgen zu lassen.

  3. Ist da nicht vielleicht auch der Bildungsmangel und die Unfähigkeit, Müll von Fakten zu unterscheiden, Teil des Problems? Und/oder dass man zuviele Menschen mit Problemen sich selbst überlässt, statt ihnen zu helfen und ihre Probleme ernst zu nehmen?
    Nee oder, weil kostet ja Geld und in unserer geldgeilen Gesellschaft, die on top vorgaukelt, dass man so perfekt sein muss, gibt es das leider viel zu selten. Menschen haben auch Angst, psychische Probleme zuzugeben, denn die Angst, dann aussortiert zu werden, ist riesengross.

  4. Wenn ich mich selbst als depressiv diagnostiziere, weil ich mit einem Problem nicht zurecht komme, ziehe ich mich aus der Verantwortung zurück, das Problem zu lösen. Weil: "Ich kann nichts ändern, denn ich bin ja krank. Jemand muß mich heilen!" Sprich: Jemand anders ist für mein Problem zuständig

  5. Das Schlimmste ist ja, dass selbst "Profis" sich dort all zu oft völlig unprofessionell verhalten und ihnen dann noch mehr geglaubt wird. Weil es natürlich eine totale Verbindung und Nähe schafft, wenn der Profi auch noch vom gleichen Problem betroffen ist.

  6. Wer kennt sie nicht, die Therapeuten, die als Selbstbetroffene auf Insta und Co kluge Diagnosehinweise in 60 Sekunden-Reels quetschen, die auf jeden zutreffen könnten. Da hat man ADHS wenn man unbequemen Papierkram aufschiebt, oder Pfandflaschen sammelt, statt einzeln wegzubringen usw.
    Und traumatisiert ist heute ja eh jeder, der mal einen Pups quersitzen hatte.

  7. Ist doch eh kompletter Blödsinn. Wenn man tatsächlich eine psychische Problematik entwickelt in sich, dann bringt es eh Nullkommagarnix sich da irgendwelche lächerlichen Videos anzugucken. Das "Problem" in der eigenen Seele wird mit hundertprozentiger Sicherheit DAVON nicht verschwinden. Leute, Ihr müsst echt Alle mal wieder Bücher lesen. Man hat bei mega vielen Leuten das Gefühl, der Schädel ist nur noch dazu da, dass es oben nicht reinregnet.

  8. Diese TikTok Generation ist doch nur noch verrückt. Man soll doch froh sein, dass man gesund ist.
    Meine Theorie ist, dass es alles mit Deutschland sucht den Superstar angefangen hat. Die Menschen waren dort erfolgreich, wenn sie eine traurige Geschichte zu erzählen hatten.😅

  9. Bin Studentin, die eine offizielle ADHS-Diagnose hat. Mir wurde dies durch eine Kollegin, mit der ich mittlerweile befreundet bin, bereits während meinem Praktikum angedeutet. Ich hatte daraufhin enormes Glück, dass ich nach ca. 12 Monaten Wartezeit tatsächlich einen unabhängigen Platz zur Diagnostik in einer Psychotherapeutischen Praxis bekam. Es waren drei Sitzungen, über den Zeitraum von sechs Wochen, plus Fragebögen und ausführlichem Anamnesegespräch. Daraufhin wurden noch EKG und Blutparameter, zusätzlich zum Diagnosebericht von meiner Fachärztin angeordnet.

    Ich habe die Diagnose seit September und bin bereits mehrfach damit auf die Schnauze geflogen, wenn ich es außerhalb meiner "Fachbubble" erwähnt habe. Entweder nehmen die Leute einen nicht ernst und denken, man ist zu viel auf TikTok oder man bekommt die volle Bandbreite Stigmatisierung afgrund der "speziellen" Medikation ab.

    Als ich zum ersten Mal bei meiner FÄ vorsprach, bevor ich einen Diagnosetermin sicher hatte, wurde ich natürlich erst einmal auf Borderline gescreent… was kann es denn sonst sein, als junge, erwachsene Frau? P.S.: Es ist übrigens keine BPS, hat sich nun endlich auch nach einem Jahr Behandlung für meine FÄ herausgestellt, nachdem sie mich mehrfach vergebens versucht hat zu provozieren und immer wieder mal ein paar typische Dinge zwischenzeitlich abgeklopft hat… die wenigen Kriterien, die sich bei beiden Störungen überschneiden unterligen einem immensen s3xistischen Bias, was u. A. auch einen von multiplen Gründen dafür darstellt, wieso BPS bei Männern und ADHS bei Frauen extrem unterdiagnostiziert ist.

    Wegen unentdeckter ADHS war ich mein halbes Leben lang aufgrund von Ausgrenzungserfahrungen und Dopaminmangel depressiv. Depressionen, die jahrelang vergebens mit Antidepressiva behandelt wurden, da man nie die Ursache des Problems entdeckt und behandelt hat. Ich fühlte mich schon immer, seit der Grundschule irgendwie "anders" als die anderen und konnte es mir nie erklären. Jetzt habe ich zumindest eine Erklärung dafür und mir wird geholfen.

  10. Der schwedische Soziologe Roland Paulsen hat zu diesem Thema sein Buch „Die große Angst“ (2020) veröffentlicht. Dass psychische Erkrankungen unter jungen Menschen zunehmen, ist keine Einbildung, sondern wird von repräsentativen Befragungen gestützt, wie den World Mental Health Surveys (WMH). Paradox ist hierbei, dass psychische Erkrankungen vor allem in reichen Gesellschaften zunehmen, und das nicht erst seit Aufkommen von Smartphones. Paulsens These: Der Kapitalismus macht unglücklich, da er Produktivitätsgewinne nicht in Freizeit und immer weniger auch in einen höheren Lebensstandard ummünzt. Wenn die Hälfte aller jungen Menschen angibt, psychisch krank zu sein, dann ist es kein persönliches Problem mehr, sondern ein sozialer Tatbestand (vgl. Émile Durkheim), der nur politisch verändert werden kann. Wenn fast jeder Zweite in der jungen Generation einen Therapeuten braucht, dann wären Politiken, die das Leid aller gleichermaßen adressieren, weitaus effektiver, als dass jeder eine persönliche Therapie macht.

  11. Spiegel selbst kann man auch als selbsternannte diagnostizierende Influencerzelle bezeichnen. Die sagt/impliziert ihrem Publikum ja auch per Einordnung, Analyse, Meinung und Formulierungskunst, wie Dinge und Gefühle zu handeln sind, oder was man überhaupt zu fühlen hat über bestimmte Dinge.
    Wenn zb der Influencer null empört über zigzehntausendfaches Zivilistenbomben oder Ukronazis auf Werbetour in D ist, dann überträgt sich das auf sein Publikum. Und da der Influencer ein riesengrosses 'SagenWasIst' über seinem Profil flattern hat, vertraut das Publikum.

  12. Wahrscheinlich lächeln jetzt ne Menge Menschen, wenn ich vorschlage, gehts mehr raus, bewegts euch, Regen, Schnee, Sonne, Wind, sich einfach still dran freuen dass man jung ist…. und dass es nicht viel bedarf, um 'stillvergnügt' und zufrieden zu sein…. weder braucht es Trendschuhwerk, modische Accessoires, Cremes, Elektrolytgesöff, Gelärme, oder sonstiges MayonnaiseLametta dafür! Einfach heisst Ballastfrei, Ballastfrei heisst Birnefrei. Birnefrei heisst Energie, Zuversicht, Stabilität. Das räumt natürlich nicht sämtliche lebensüblichen Probleme und Schläge aus dem Weg, aber man bewältigt sie weit besser.

  13. Ich glaub, dass aber auch die aktuelle Gesellschaft psychische Krankheiten stark befeuert und psychische Krankheiten, die vorher kein Problem im Alltag gemacht haben, in der heutigen Zeit eben ein Hemmnis sind. Unser Hirn ist letztendlich dasselbe primitive Affenhirn von vor zwanzigtausend Jahren.

  14. Habt ihr euch mal die Leute angesehen, die ihre dissoziative Identitätsstörung sichtbar machen wollen? Das nimmt schon recht absurde Formen an.

  15. Ich denke das wichtigste ist doch dass man dadurch die Verantwortung einfach abschieben kann. Unbewusst. Ich kann nichts dafür, ich habe eine Krankheit. Gebt mir Mitleid und seid nachsichtig mit mir. Wenn ihr das nicht berücksichtigt oder Mitleid mit mir hat dann seid ihr böse. Eine ähnliche denkweise gab bzw gibt es auch beim Thema übergewicht.
    Das schaltet den Leuten die diese denkweise annehmen natürlich massiv. Dann anstatt an sich bzw ihren Problemen und Wünschen zu arbeiten verfallen viele dauerhaft in die opferrolle. Das Muster lässt sich bei ganz vielen Themen beobachten und ich kann jedem nur ganz stark davon abraten sich in diese opferrolle selbst zu versetzen. Konzentriert euch Auf lösungen und nicht auf Gründe

  16. Also ich wurde von Fachpersonal jahrelang falsch diagnostiziert, erst mein Freund hat meine damalige Therapeutin darauf aufmerksam gemacht, dass es doch was anderes ist, als sie mir diagnostizieren wollten.
    Wir sind unter anderem durch Youtubevideos darauf gekommen, was es sein könnte, auch wenn ich dieses selbstdiagnostizieren überhaupt nicht mag (vor allem durch social media und Vergleiche, die dort aufgeführt werden). Dies wurde auch tatsächlich nach einigen Monaten als feste Diagnose diagnostiziert, ich wurde medikamentös richtig eingestellt und seitdem geht es mir viel, viel besser, als durch die Behandlung mit der Fehldiagnose.
    Social media KANN helfen, aber auch Leute einsam machen, da man sich besonders als Kind/Jugendlicher nur noch mit einer bestimmten Gruppe an Leuten identifiziert, sich reinsteigern und den Bezug zur Realität verlieren kann. Wichtig ist, dass darüber gesprochen wird in der Öffentlichkeit, nur den letztendlichen Schritt zu einer gesicherten Diagnose durch Fachpersonal sollte man auf keinen Fall überspringen, auch wenn es manchmal Jahre dauert, bis man die richtige Diagnose bekommt. Glücklicherweise gibt es heute aber sehr viele Anlaufstellen, was es zu meiner Jugendzeit überhaupt nicht gab und somit bin ich allein mit meinen Problemen über 25 Jahre durch die Hölle gegangen.

    Ich gehöre übrigens zu den Personen, worüber am Anfang gesprochen wurde, dass über diese Erkrankung so wenig nach außen hin erzählt wird, also keine der "Modediagnosen" (ich will damit niemandem seine Probleme absprechen, sondern nur darauf hinweisen, dass – wie im Video erwähnt wurde – diese Diagnosen aktuell sehr stark in social media auftauchen) wie Ad(h)s, Autismus, Depressionen/Angststörungen, weswegen ich mir ziemlich wünschen würde, dass darüber öffentlich viel mehr geredet wird, da ich mich ziemlich allein damit fühle und die Hilfsangebote dementsprechend niederschwellig sind (spreche hier von der bipolaren Störung, wovon die meisten kaum etwas bisher gehört haben).

    Alles Liebe an alle und ich hoffe, jeder findet Hilfe in diesen schweren Zeiten. Mögen die Probleme noch so klein sein, auch diese möchten gehört und verarbeitet werden.

  17. Influencer-Kram hab ich mir nie angeschaut, aber Erlebnisse, Selbsterkenntnisse und Denkweisen von betroffenen Nichtexperten, die im Real Life oder auch auf YouTube erzählt haben, fand ich hilfreich. Es kommt auf Sender und Rezipient an, dass beide versuchen, sich selbst zu reflektieren. Ich hab zB bei allen Videos nur Sätze angenommen, die mit mir resonierten, und dann konnte ich weiter an mir arbeiten. YouTube Videos halfen mir, erst einmal Hilfe wirklich zu wollen und zu suchen. Die ich dann auch nach langer Wartezeit fand, und heute geht's mir super. Btw, geht um Depression.

  18. Was mir ein bisschen fehlt ist der "Gender bias". Einige Störungsbilder sind an bestimmte Rollen geknüpft und so können verschiedene "Phänotypen" des gleichen Störungsbildes entstehen. Leider sind viele Ärzte und Psychologen davor auch nicht gefeilt und schätzen dann das Krankheitsbild eventuell falsch ein. Typische Beispiele sind ADHS, Borderline, aber auch Depressionen. Ich denke es kann helfen, wenn man eine Varianz an Beispielen hat, wie z.B. ADHS bei Frauen anders ist, als bei Männern. Trotzdem sollte man, wenn möglich es abklären lassen, um die passende Hilfe zu erhalten.

    Leider ist es teilweise unmöglich an Diagnosestellen zu kommen und Hilfe zu erhalten.

    Ich persönlich denke nicht, dass die meisten, die denken, sie wären psychisch krank, sich das nur einbilden. Selbst wenn es "nur" eine Phase ist oder pubertätsbedingt, sollte man den Leuten trotzdem zuhören und versuchen sie zu unterstützen.

    Bei PMS wurde auch lange geglaubt, dass wäre alles nur Einbildung oder psychosomatisch…. Turns out, it's actually a thing und Personen mit Uterus leiden darunter.

    Klar sind Influenzer und Betroffene, die ihre Story teilen keine Fachpersonen, aber wenn man sich in bestimmten Strörungsbildern immer wieder erkennt und stark relaten kann, ist eine Abklärung immer legitim und wenn man seinen Verdacht äußert und Symptome listet und Beispiele hat, bin ich der Ansicht, dass es zumindest mehr Recherche und Analyse bedarf. Eine Fachperson kann ja auch nur an Hand von der gegebenen information eine Diagnose stellen und sollte auch in der Lage sein, das von einer Phase zu unterscheiden. Außerdem wird im ICD 11 sowie viele Kategorisierung abgeschafft, was ich gut heiße.

    Das "mehr" chillen und sich weniger zu pathologisieren mag vielleicht bei manchen funktionieren, aber wenn jemand denkt er wäre krank und die Person ist vielleicht wirklich krank, dann bringt es nichts, ihnen das Gefühl zu geben, sie würden sich nur alles einbilden.

    Selbst Hypochondrie ist eine Erkrankung….

  19. Ich bin dafür, dass nur ein Facharzt so etwas entscheiden sollte. Aber was mir immer wieder auffällt ist, Psychotherapeuten wollen helfen, werden dann aber von der Krankenkasse gebremst. Krankenkassen haben eindeutig zu viel macht. Ich kämpfe schon eine weile für meine Hilfe die ich benötige.