Wie unsere psychische Versorgung gerade zerlegt wird – Psychotherapeutin Dr. Christina Jochim

Mein heutiger Gast ist Christina Jochim.
Christina ist Psychotherapeutin, arbeitet in Praxis und Klinik und ist Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung.
Ich wollte von ihr wissen, warum so viele Menschen in Deutschland psychisch belastet sind und trotzdem oft monatelang auf Hilfe warten müssen. Wir sprechen über Einsamkeit bei Jugendlichen, Depression, Scham und das Stigma psychischer Erkrankungen. Es geht um die Frage, warum psychische Gesundheit ein Fundament unserer Gesellschaft ist, was gute Psychotherapie leisten kann und warum Christina sagt, dass die aktuellen Kürzungen in der psychotherapeutischen Versorgung kein Sparen sind, sondern ein Verschieben von Kosten.

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Einsamkeit bei jungen Erwachsenen – Bertelsmann Stiftung – https://bit.ly/4fI7ZPG
Studie Hentschel & Böker (2023): https://bit.ly/4v5UC0c
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21 Comments

  1. Habe mehrfach erlebt, wie in Psychiatrischen Kliniken die gerade fertig studierten Psychotherapeuten alle Psychotherapie-Gespräche (alleine !) durchgeführt haben (die natürlich ganz normal über die Krankenkasse abgerechnet wurden). Die werden da von den Kliniken extrem ausgebeutet, wie Berufsanfänger in anderen medizinischen Bereichen auch (Assistenzärzte etc.). Ich muss allerdings sagen, dass diese jungen Berufseinsteiger die besten Therapeuthen waren, die ich je gehabt habe, da sie noch nicht so "verbraucht" waren und ihr Wissen noch frich war.

  2. Die Pathologisierung von zu grossen Teilen einer Gesellschaft hilft sicher nicht, dass man sich vernünftig mit den persönlichen Eigenheiten oder auch Einschränkungen auseinandersetzt. 30-40 % der deutschen Gesellschaft als psychologisch hilfsbedürftig einzuschätzen – da hab ich meine Zweifel. Früher gab es keinerlei Blick auf psychische Leiden – heute gibts ganz schnell mal eine Diagnose. Manchmal kommt mir der Gedanke, dass sich ein Berufsstand vermarkten möchte. Da imponiert mir Dr. Gunther Schmidt, der auch schon hier im Podcast war. Für mich eine vollkommen andere Brille.

  3. In der Tat.
    Die Akademiker arbeiten auch nur für Geld.

    Fatal, welche Stellung psychische Gesundheit in der Gesellschaft überhaupt einnimmt.
    Das Übel des Kapitalismus ist unb bleibt seine Orientierung an Geld und Gewinn.
    Ich hoffe, dass jeder den Weg in der eigenen Familie erst einmal geht.
    Hier werden die Grundlagen gelegt für psychische Gesundheit. Die Volks Bildung insbesondere der Blick von Kleinauf.. Kindergarten, Unterstufe usw, die Unterstützung der Frauen…
    das sind Pfeiler einer gesunden Gesellschaft.
    Ich habe wegen Depressionen Hilfe in Anspruch genommen.
    Das beste, was mir passieren konnte, ist mein Handy. Coutching hat funktioniert ohne dass ich je wieder eine Klinik von innen sehen musste.
    Ärzte verdienen an Krankheiten. Das kann jeder für sich entscheiden. Ich
    bin vor allem zum Gewinner in meinem Leben geworden, weil ich auch dank Corona.. keine Nachrichten mehr konsumiere.
    Alles Gute und kümmert Euch um Eure persönliche Weiterentwicklung. Herz und Verstand sind der Weg in ein langes erfülltes Leben.
    Sch… .auf das Geld. Das sagt eine Frau, die zufrieden mit ihrer kleinen Rente lebt und sich kümmert um den Seelen Frieden in der Familie. Da hat jeder genug zu tun. Da fängt Frieden und Gesundheit an.
    D a n k e. ❤

  4. Man stelle sich den Aufschrei von Chirurgen, Bankangestellten oder in der Pharmaindustrie Tätigen sowie Rechtsanwälten bei einer Lohnkürzung von 5 % vor! Typisch, dass es mal wieder einen Frauen-dominierten Berufsbereich betrifft, bei dem man das durchdrücken will. Die Kosten, die man jetzt „sparen“ will, zahlen wir in den nächsten Jahren doppelt und dreifach. Es wird vergessen, dass psychische Erkrankungen ansteckend sind in dem Sinne, dass es Familienmitglieder, Freunde, den Arbeitgeber mit betrifft. Dieser Kanal ist zum Glück eine Methode der Selbstfürsorge/Prävention.

  5. Das ist es jetzt schon. Wir bekommen für unser krankes Kind, heute eine junge Frau keine ambulante Therapie mehr.

  6. Manchmal braucht es proffesionele hilfe.

    Habe mir auch welche gesucht und kann es jedem nur empfehlen.

    Als ich verstanden habe mich nicht mehr wegen jeden mist aufzuregen um im ernstfall rational denken zu können fand mein leben wieder sinn!

    Alles was ich jetzt versuche oder mache fällt mir nicht nur leichter sonder ich bin föhlich und hab spass dabei!
    Das tolle daran ist dies färbt auf andere ab und hilft mir damit sozale kontakte zu knöpfen.

  7. Also diese Musik is schrecklich wirklich. Kein objektives Interview, wird richtig in ne Bewertung gezogen. Also echt. Musik kann so viel zerstören das Thema ist so wichtig. Bitte nächstes Mal nicht machen. Kein Wunder wird das Thema nicht ernst genommen.

  8. ich habe sogar das Gefühl, dass das neue Psychotherapeuten Gesetz so schlecht in der Praxis ist, dass ich als Student lieber die alte regelung hätte.
    Früher war die Ausbildung/der Master auch für andere Studiengänge wie Lehramt und Soziale Arbeit möglich, jetzt ist es häufig nicht einmal mehr möglich wenn man im Ausland Studiert. Holland war ja beliebt für alle, deren NC nicht ausgereicht hat und es ist es heute auch immernoch, man wird aber sehr wahrscheinlich nicht die benötigten ECTS in bestimmten Kursen bekommen und das wirkt auf mich zumindest mal entgegen der Vision der Bologna-Reform. Das macht das Approbationskonforme Psychologiestudium weniger Zugänglich als das Medizinstudium, was man zumindest noch im Ausland machen kann.
    Und soweit ich das auch mitbekomme wird die Gehaltskürzung auch dazu führen, dass man als Therapeut finanziell noch stärker abgestraft wird, GKV Patienten zu nehmen, da man den Satz für Private Patienten deutlich höher setzen kann.
    Wobei die überlegung eh hinfällig wird, wenn man die hohen Kosten, die für das übernehmen einer Praxis für einen Kassensitz eh nicht mal zahlen darf, weil man meist nur auf den Kosten der Bewerbung und der absage sitzen bleibt.

  9. Die Umstände im medizinischen System sind echt hart…
    Ich finde mit PTBS bisher niemand für Sitzungen.
    Immerhin habe ich einen guten Psychologen, der mir gute Impulse gab und ich so selber mir mein Seelenheil erstmal erarbeiten konnte.
    Selbst mit Notfallcode bekommt man absolut nix.
    Seit 5 Monaten arbeite ich selber an mir und konnte bstätigte sehr gute Fortschritte machen.
    Vermutlich würde ich vor Schreck das Handy fallen lassen, wenn jetzt plötzlich ne Praxis anruft und die Platz haben.
    Aber selbst das hilft dir 0, wenn dein Gegenüber absolut nicht kompatibel ist.🙄

  10. schade, dass das interview so schlecht vorbereitet und unkritisch abmoderiert wurde. dann muss man eben die interessengeleiteten darstellungen einfach durchwinken: ach, wie interessant. dabei wird dann schnell subjektiver bedarf = objektiver bedarf, verkürzungen von therapien sind per se ganz schlimm (obwohl in der psychotherapieforschung nicht selten herauskommt, dass zwar nicht immer, aber jedenfalls häufig gar kein großer unterschied besteht, wenn die therapie fünf sitzungen kürzer gedauert hat), die "4,5 prozent kürzungen" werden als horrorszenario dargestellt, ohne nur darauf hinzuweisen, dass es in wirklichkeit 1. nur 2,x% sind, weil umgekehrt andere leistungen erhöht wurden und 2. mit der jüngsten gkv-reform im schnitt aller leistungen deutlich mehr gekürzt wurde, die psychotherapie im allgemeinen vergleich also nicht unbedingt schlecht wegkommt. ach ja, reformen und effizienzsteigerung ist natürlich wichtig – aber NOT IN MY BACKYARD! die therapeuten selbst sind dann arme opfer eines neoliberalen sparkurses, obwohl es wenige länder auf der welt gibt, in denen es so viel solidargeförderte psychotherapie gibt wie in deutschland. dass es seitens der therapeuten selbst eine präferenz gibt, eher "leichte fälle" anzunehmen, und die plätze dann für schwerere fälle fehlen, kommt zwar in studien raus (https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1026/0033-3042/a000678), darf man aber natürlich nicht thematisieren, denn das würde ja in der realität nie jemand tun – die interviewpartnerin kennt da jedenfalls niemand, auf den das zutrifft, und deswegen ist nur der böse sparzwang anzuprangern (ohne freilich die überdurchschnittlichen ausgabensteigerungen für psychotherapie in den vergangenen 10 jahren nur zu erwähnen). und diese logik besticht ja auch total: wenn 2,x prozent weniger erstattet wird, werden die therapeuten weniger arbeiten. psychotherapie wird dann noch auf eine stufe mit ärztlicher behandlung gestellt, obwohl die ausbildung von ärzten deutlich länger und strapaziöser ist (psychotherapeut in der kjp kann man etwa mit einem studium der pädagogik und einer darauf aufbauenden fortbildung werden, wo fast niemand durchfällt und auch die arbeitszeiten deutlich angenehmer sind – aber klar, ist natürlich ungefähr dasselbe wie ein medizinstudium und die darauf aufsetzende klinikzeit, lol). dazu passt dann bestens, psychische probleme in ihrer logik mit körperlichen erkrankungen einfach pauschal gleichzusetzen. zwar ist das vervielfachen von ausgaben für psychotherapie mit einer steigerung psychischer diagnosen und nicht etwas mit einer reduktion einhergegangen, aber: jede einschränkung kann hier nur böse sein, es ist "aufklärung", wenn man behauptet, jedes mehrausgeben von geld in diesem bereich ist ausschließlich positiv zu bewerten. auch die mär von "dann werden künftig mehr privatpatienten behandelt" bleibt unwidersprochen, obwohl gerade die privaten kassen in den meisten fällen gar nicht mehr zahlen als die gkv nach der kürzung, man dafür aber deutlich mehr bürokratie an der backe hat. all das bleibt unhinterfragt. stattdessen darf frau jochim in ideologisiertem gendersprech ihre durch eigentinteressen geprägten einseitigkeiten vortragen, um dabei vom moderator noch bestärkt zu werden.

    übrigens, nur damit hier kein zweifel aufkommt: psychotherapie ist wichtig und in vielen fällen ein notwendiger bestandteil der versorgung. es steht insofern außer frage, dass dafür zu sorgen ist, behandlungen gerade in den schwereren fällen sicherzustellen und deren organisation zu verbessern. aber dieses einseitige, selbstgerechte, oft genug irreführende gejammer ist nicht nur wegen diesem grenzdebilen genderschluckauf wirklich schwer erträglich.

  11. Psychotherapie ist nutzlos und generiert nur Kosten, insbesondere wenn Frauen diesen Beruf ausüben (high assertivness)

  12. Wer leidet, schaut nach Klaus Bernhardt aus, der hat effektive Lösungen zu den meisten Problemen. Psychotherapeutinnen allgemein sind nutzlos

  13. Lieber Matze, ich finde es wirklich traurig, dass die Wertigkeit deiner Gespräch nicht mit den Aufrufen und den Abonnenten übereinstimmen, gerade auch im Vergleich mit anderen Podcasts. Qualität scheint sich einfach nicht durchsetzen zu wollen. Ich hoffe, dass du dich daran nicht wirklich misst oder gar messen lassen musst. Die Menschen, die du erreichst, schätzen diese Gesprächskultur und erleben oft inhaltliche Bereicherungen, die möglicherweise an anderer gesellschaftlicher Stelle für Erfolge sorgen. Manchmal wünsche ich mir zwar mehr Reibungen oder originäre Gedanken, aber die sollte man auch nicht unbedingt erzwingen. Sollten wir uns einmal gegenübersitzen, mache ich einen kleinen Knicks aus Demut und erzähle dir dann im Gegensatz zu Markus Gabriel, warum es keine moralischen Tatsachen gibt. Danke für das Öffnen von vielen Fenstern in die Welt! =)

  14. Ich finde das alles super mit Therapie und so, hatte schon selbst mal eine Therapie. Aber die Auswüchse sind extrem. Meine letzte Freundin war nicht nur bei einem Psychiater, sie hatte auch noch wöchentliche Anrufe von Online Therapeuten der Krankenkasse, dann schlug sie mir vor, wir müssen eine Sexualtherapie machen. Ich habe nur gedacht: Lady, du scheinst dich in einem Wunderland zu befinden. Alles und jeder, der dir nicht gehorcht, muss in Therapie, hauptsache du bist im Mittelpunkt.. Mein Gefühl. Therapie ist wichtig und gut. Die Deutschen haben es wie immer und bei allem komplett übertrieben.